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Fraunhofer Wissenschaftscampus 2017 - Im Fahrstuhl Karriere machen

Wie finde ich meinen Weg in die Wissenschaft? Wie organisieren erfahrene Forscherinnen ihr Leben zwischen Karriere und Familie?  Und wie präsentiere ich mich selbstbewusster? Mit diesen Fragen beschäftigten sich über 40 Studentinnen vier Tage lang am Fraunhofer-Institutszentrum Stuttgart. Was sie dabei herausfanden und was ihnen wirklich weiterhalf.

Es ist eine Riesenchance – und eine Horrorvorstellung zugleich: im Fahrstuhl eine Person zu treffen, die über das eigene berufliche Weiterkommen entscheidet. Nur ein paar Stockwerke lang hat man Zeit zu zeigen, was man so drauf hat. Die gute Nachricht: Man kann es lernen. Zum Beispiel im Workshop „Erfolgreiche Selbstpräsentation“ beim Fraunhofer-Wissenschaftscampus in Stuttgart. „Hier wurde mir bewusst, wie ich nach außen wirke und wie ich das mit ein paar einfachen Tricks beeinflussen kann“, sagt Teilnehmerin Laura Eck, die Produktgestaltung studiert.

Aber der Reihe nach. Bis Laura ihre souveräne Vorstellung der „Elevator Pitch“-Übung zum Abschluss des Workshops gab, war schon eine Menge passiert, das sie sicherer und damit fokussierter werden ließ. Gleich zum Einstieg der Veranstaltung stellten sich eine Reihe erfahrener Forscherinnen den Teilnehmerinnen vor. „Das war für mich ein sehr wertvoller Programmpunkt“, sagt Elektrotechnik-Studentin Elli Bach im Rückblick. „Die Wissenschaftlerinnen schilderten ihre unterschiedlichen Bildungswege und Lebenssituationen, so bekamen wir einen guten Einblick in ihre Arbeit, aber auch wie sie Job und Familie managen.“

Wie die Arbeitsräume und -bedingungen vor Ort genau aussehen, sahen die Teilnehmerinnen bei Führungen durch die Institute. Danach trafen sich alle wieder zum gemeinsamen Abendessen und Netzwerken. Wer jetzt individuelle Fragen hatte, ging einfach an den Tisch der anwesenden Fraunhofer-Mitarbeitenden und bekam Antworten. „Das war eine tolle Möglichkeit, ganz unkompliziert persönliche Kontakte zu knüpfen und Informationen aus erster Hand zu bekommen“, sagt Lisa Kühn, die Sozialökonomik studiert.

Kreatives Denken lernen

An Tag zwei ging es in Workshops zu verschiedenen Forschungsfeldern. Zur Auswahl standen Themen wie „Roboter & Co“, „Nachhaltigkeit weiter denken“ oder „Forschungsfeld Gesundheit“. Laura und Lisa entschieden sich für „Building Ideas“ am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und -organisation IAO. Unter Anleitung der Maschinenbau-Ingenieurin Anne Elisabeth Krüger und der Psychologin Kathrin Pollmann erfuhren sie in vielen praktischen Übungen, wie sich Produkte für Nutzer verbessern lassen und wie sich eine solche nutzerzentrierte und kreative Denkweise anderen vermitteln lässt. Schon zur gegenseitigen Vorstellung bekam jede Teilnehmerin ein Tütchen mit Lego-Elementen und zehn Minuten Zeit, um etwas über sich zu „bauen“. Nach ersten skeptischen Blicken legten alle los. „Ich war überrascht, wie viel mir letztlich doch einfiel“, sagt Laura lachend.

Die nächste Aufgabe bestand darin, einen Kreativraum einzurichten. Während die eine Gruppe erst mal den Typen „Kornelius Klar“ entwickelte, der es gerne strukturiert und kontrolliert hat, erschuf die andere Gruppe „Klaus Kreativ“ der ein bisschen chaotisch ist und laufend Neues anfängt. Dann überlegte jede Gruppe, was diese Typen für Räume bräuchten, um kreativ zu werden. Da kam viel zusammen: Grünpflanzen, ein Boxsack, Mal- und Bastelzubehör, eine Ruheecke ... Schließlich wurden alle Ideen zusammengetragen, geclustert, durch neue Ideen ergänzt – bis zwei durchaus unterschiedliche, aber auch schon sehr konkrete Raumpläne vorlagen.

Doch wie findet man heraus, ob das hier Entwickelte den Nutzern auch tatsächlich etwas bringt? Über die richtige Interviewtechnik. Die Teilnehmerinnen suchten sich aus, ob sie selbst Fragen stellen oder beantworten wollten und dann ging es los. „Ich war Interviewerin – das war der ideale Rahmen, um mich in einer angenehmen Atmosphäre auszuprobieren und neue Methoden kennenzulernen“, findet Lisa.

Die Workshops an den Tagen drei und vier drehten sich um Arbeitstechniken und Persönlichkeitsbildung, zum Beispiel Bewerbertraining, aber auch Themen wie „Work-Life-Balance“ oder „Wege in die Wissenschaft“. Und es gab die eingangs erwähnte „Erfolgreiche Selbstpräsentation“. Kursleiterin Anja Fornoff wollte zunächst wissen, warum die Studentinnen das Thema gewählt hatten. „Ich habe bald ein Bewerbungsgespräch“, „ich will Feedback bekommen, wie ich wirke“ oder „ich will sicherer werden“, lauteten die Antworten. Gegen die Unsicherheit helfe am besten Übung in einem geschützten Raum mit wohlwollenden Menschen, entgegnete Fornoff und lieferte dann ein paar Basics zu Stimme, Atmung, Mimik und Standfestigkeit. Wie es damit bei jeder Einzelnen bestellt war, konnten die Teilnehmerinnen sofort in kleinen Übungen herausfinden.

Wie Frau sich Aufmerksamkeit verschafft

Weiter ging es mit rhetorischen Tipps und Kniffen, wie man sich Aufmerksamkeit verschafft. Ob sich die auch in der Realität einsetzen lassen? Wurde ebenfalls sofort geübt, mit der 5-Satz-Technik: In Kleingruppen argumentierte jede kurz über ein Thema, das ihr am Herzen lag. Hinterher wurden schwierige Situationen noch mal in großer Runde diskutiert: Was hätte ich dem unverschämten Kollegen in dieser Situation antworten können? Wie kann ich verhindern, dass mein Chef meine Ideen immer als seine verkauft? Viele gute Ideen und Argumente kamen zusammen und langsam wuchs das Selbstbewusstsein in der ganzen Gruppe. Gut so, denn jetzt kam der Elevator Pitch.

Jede überlegte sich ein eigenes Setting und bereitete ihr Ein-Minuten-Gespräch im Fahrstuhl anhand eines Leitfadens vor. Dann ging jede einzeln nach vorn und präsentierte. Niemand musste, aber alle wollten die Chance nutzen und wirklich wissen, wie ihre Botschaft – verbal und nonverbal – ankam. Laura wollte sich für ein duales Studium in einem Unternehmen  bewerben. Ihr Feedback aus der Gruppe: Am Anfang habe sie ein paar überflüssige Infos gebracht, aber dann wurden ihre Begeisterung und Kompetenz spürbar, „da hast du mich voll gehabt“. Gut seien auch ihre praktischen Beispiele gewesen. „Das war sehr motivierend“, meint Laura.

Elli sah sich mit dem Professor einer anderen Uni im Fahrstuhl, bei dem sie promovieren möchte. Sehr flüssig und strukturiert habe sie geredet, bekam sie hinterher zu hören. Toll waren auch Blickkontakt und fester Stand. Obwohl ihr vor der Veranstaltung noch die fachlichen Workshops interessanter schienen, profitiere sie auch sehr von den Kursen zur Persönlichkeitsentwicklung, meint sie am Ende. „Ich nehme einen ganzen Rucksack voller Motivation und gestärktem Selbstbewusstsein mit.“

Bei Laura kommt noch die Aussicht auf eine Werkstudentenstelle dazu. Während ihres Workshops konnte sie mit zwei Gestaltern reden und wird sich jetzt auf eine aktuell ausgeschriebene Stelle als Werkstudentin bewerben. Überhaupt, die Kontakte: „Den offenen Austausch und die Vernetzung – sei es mit erfahrenen Frauen, anderen Studentinnen, aber auch mit Mentoren und Mentorinnen –halte ich für Schlüsselfaktoren einer Karriere“, sagt Workshop-Leiterin Anja Fornoff. Und davon nahm jede Teilnehmerin eine ganze Menge mit.

Text: Ines Bruckschen

Der nächste Wissenschaftscampus findet von 12. bis 15. März 2018 in Darmstadt statt.

www.fraunhofer.de/wissenschaftscampus

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