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Interview: "Komm, mach MINT." - Mit Vorbildfrauen Vorurteile abbauen

Carolin Schäufele hat im Magazin "SHE works!" ein Interview mit unserer Mitarbeiterin Ines Großkopf von "Komm, mach MINT." zum Thema "Frauen in MINT-Berufen" geführt. Lesen Sie hier das komplette Interview.

Die Anstrengungen, Frauen für die MINT-Berufe zu interessieren sind vielseitig. Zeigen sie denn Erfolg?

Ines Großkopf

Ines Großkopf

Die Daten und Fakten zu Frauen in den MINT-Studiengängen zeigen einen stetigen Aufwärtstrend. In der Fächergruppe Ingenieurwissenschaften beispielsweise sind mittlerweile 25 % der Studienanfänger im 1. Fachsemester weiblich. Auch in den einzelnen Studienrichtungen, wie beispielsweise der Informatik sehen wir diesen Trend: Hier stieg die Zahl der Frauen (18.123) weiter an und erhöht sich 2016 gegenüber dem Vorjahr um fast +7 %. Bei den männlichen Studienanfängern lag die Erhöhung bei +3 %. Damit liegt der prozentuale Anteil von Frauen unter den Informatik-Erstsemestern erstmals bei über 25 % und damit so hoch wie nie zuvor. 2008, beim Start von „Komm, mach MINT.“ lag der Frauenanteil noch bei unter 20 %.

Wie viele Frauen arbeiten denn heute in der MINT-Branche?

In vielen MINT-Berufsgruppen hat sich der Anteil von Frauen an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten positiv entwickelt und ist 2015 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, dennoch ist der Frauenanteil an den Beschäftigen in MINT-Berufen mit 15 % noch immer deutlich unterdurchschnittlich. Dabei sind starke Unterschiede in den einzelnen Fachbereichen zu beachten: Der höchste Frauenanteil findet sich im Bereich Mathematik/Naturwissenschaften mit knapp 40 %. Im technischen Bereich liegen die Frauenanteile dagegen nur bei knapp 13 und in der Informatik bei knapp 16 %. Positiv ist, dass die Beschäftigung von jüngeren Frauen in den MINT-Berufen prozentual deutlicher gewachsen ist als die von Männern.

Was sind die häufigsten Argumente von Mädchen und Frauen, sich nicht mit den MINT-Berufen auseinanderzusetzen?

Die häufigsten Argumente sind nach wie vor:

  • Da arbeiten doch nur Männer
  • Technik kann ich nicht

Zudem sind die Berufe oftmals gar nicht im Bewusstsein der jungen Frauen. Nach wie vor haben Berufe ein Geschlecht und junge Frauen nehmen technische Berufe weniger als Männer als berufliche Optionen wahr.

Wie entkräften Sie diese?

Wir binden immer weibliche Vorbildfrauen aus dem MINT-Bereich in unsere Aktivitäten ein, um den jungen Frauen dadurch zu zeigen, dass Frauen durchaus in MINT-Studiengängen und -Berufen vertreten sind und gut und gerne in diesen Bereichen arbeiten. Damit die jungen Frauen an Selbstbewusstsein gewinnen und sehen, dass sie sehr wohl für diese Berufe geeignet sind, ist es besonders effektiv, ihnen praktische Einblicke in die MINT-Berufe zu ermöglichen. Dadurch haben sie die Gelegenheit, ihre Talente und Kompetenzen in MINT zu erproben.

Auf unserer Projektlandkarte unter www.komm-mach-mint.de sind über 1.000 Projekte gelistet, die Schülerinnen und Schülern einen intensiven Einblick in ein MINT-Fach geben – in eintägigen Veranstaltungen, mehrtägigen Workshops oder Schnupperstudiengängen oder auch in längerfristigen Maßnahmen. Eine gezielte Suche nach Region und Fachrichtung ist über die Projektlandkarte möglich. Viele junge Frauen sind daran interessiert, wie Apps oder Computerspiele entwickelt werden. Auch ist es vielen ein großes Anliegen, in technischen Berufsfeldern gesellschaftliche Entwicklungen voranzubringen, also etwas für den Klimaschutz zu tun und die Umweltbelastungen auf der Erde zu verringern. Sie interessieren sich für Möglichkeiten, Autos emissionsfrei fahren zu lassen oder technische Geräte für den Einsatz in der Medizin zu entwickeln. Hier setzt „Komm, mach MINT.“ an und zeigt den jungen Frauen, das all diese Dinge mit MINT zu tun haben und MINT-Studiengänge und -Berufe entsprechend spannende und vielfältige Berufsmöglichkeiten bieten, die vielfach sogar mit anderen Bereichen (Beispielsweise Medizin und Technik, Umwelt und Technik, Medien und Informatik, Biologie und Informatik) kombiniert werden können.Die Geschäftsstelle Nationaler Pakt für Frauen in MINT-Berufen ist sehr umtriebig.

Wie treten Sie an Frauen heran, um ihnen die MINT-Branche schmackhaft zu machen?

Die Komm, mach MINT.-Geschäftsstelle ist häufig auf Berufsorientierungsmessen und -veranstaltungen vertreten, wo wir an unserem Stand junge Frauen durch Mitmachangebote für MINT begeistern, sie über MINT-Berufsperspektiven informieren und ihnen über die Vorbildfrauen Einblick in diese Bereiche verschaffen.

Und wie ist die Resonanz?

Sobald die Mädchen mehr über die MINT-Berufe erfahren, selber einmal Dinge ausprobieren können und von den Vorbildfrauen hören, was ein MINT-Beruf für spannende Perspektiven bietet, ist die Resonanz größtenteils positiv. Viele Mädchen erzählen uns, dass ihnen vorher nicht klar war, in welchen Bereichen sie mit MINT später einmal arbeiten können und dass sie keine Vorstellung davon hatten, was so ein Studium oder eine MINT-Ausbildung eigentlich beinhaltet. Deshalb schließen leider viele junge Frauen MINT-Berufe im Studien- und Berufswahlprozess von vornherein als Option aus. Viele Branchen leiden daran, dass die Vereinbarkeit Familie und Beruf nicht oder nur schlecht gegeben ist.

Wie sieht das in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik aus?

Auch in den MINT-Branchen ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf natürlich ein Thema, das bei den einen Firmen besser, bei den anderen schlechter läuft. Viele Unternehmen haben aber festgestellt, dass sie in diesem Bereich mehr machen müssen, um für Frauen – und selbstverständlich auch für Männer – attraktiver zu werden und entsprechende Nachwuchskräfte zu gewinnen. So gehören flexible Arbeitszeiten, Homeoffice- Regelungen oder flexible Teilzeitmodelle heute in vielen Betrieben zum Alltag. Auch in kleinen und mittleren Unternehmen hat diesbezüglich ein Umdenken stattgefunden, dort werden zumeist individuelle Lösungen angeboten. Wenn wir uns dagegen die Arbeitsbedingungen in vielen Dienstleistungs-, Sozial- und Pflegeberufen ansehen, so sind die MINT-Bereiche nicht schlecht aufgestellt, gerade auch zum Beispiel im Bereich Arbeitszeiten. Durch den Mangel an Frauen in den MINT-Berufen heißt es, steuern wir auch hier auf einen Fachkräftemangel zu.

Sehen Sie das ähnlich?

Der Fachkräftemangel existiert nicht über alle MINT-Berufe hinweg, ist in einigen Bereichen aber bereits jetzt als Fachkräfteengpass vorhanden. Und dieser wird sich weiter erhöhen, wenn nicht gegengesteuert wird. Durch die fortschreitende Digitalisierung ist beispielsweise der Bedarf an IT-Fachkräften immens gestiegen und wird auch in Zukunft weiter steigen. Nach Angaben im MINT-Herbstreport 2017 des Instituts der deutschen Wirtschaft ist es entsprechend besonders der IT-Bereich, in dem ein Fachkräfteengpass herrscht und auf den fast 40 Prozent der offenen MINT-Jobs für Akademikerinnen und Akademiker entfallen. Es ist also von immenser Bedeutung, weitere Nachwuchskräfte und insbesondere auch Frauen für diese Bereiche zu gewinnen. Ines Grosskopf ist in der Geschäftsstelle des Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Kommen wir noch zu einem aktuellen Thema: Wie sieht es im MINT-Bereich eigentlich mit der Lohnlücke aus?

Auch im MINT-Bereich existiert die Lohnlücke. Sie ist aber nicht so stark ausgeprägt wie in anderen Branchen. Das Online-Portal www.gehalt.de hat diesbezüglich Daten veröffentlicht, die zeigen, dass in den MINT-Berufen im Durchschnitt ein Gehaltsunterschied von unter 10 Prozent zwischen den weiblichen und den männlichen Arbeitnehmern existiert. Das ist zwar weniger als die 21 Prozent, die gemeinhin für den gesamten deutschen Arbeitsmarkt genannt werden, aber natürlich trotzdem etwas, was unbedingt verändert werden muss.

Quelle des Interviews:

"SHE works!", Ausgabe 5. März 2018, Autorin: Carolin Schäufele

www.she-works.de/she-works-magazin

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