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Technik

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Interview von Ye Ji

Kunst oder Forschung? Wer die beiden Bereiche bisher für Gegensätze hielt, der sollte sich mit der Elektro- und Informationstechnikerin Ye Ji Park (29) unterhalten. Sie begeistert sich für beides, Hauptsache, es ist kreativ und stößt Veränderungen an. Wie zum Beispiel die Idee, dünne Folien in Textilien zu integrieren, die über körperliche Bewegung Energie erzeugen könnten.

Sie haben gerade einen Ideenwettbewerb gewonnen. Mit welcher Idee?

Ich bringe die beiden eigentlich sehr unterschiedlichen Branchen Elektromechanik und Textiltechnik zusammen und schaffe dabei ganz neue Synergien. Zum Beispiel integriere ich dünne, flexible Folien in Textilien. Wenn wir das weiterdenken, dann könnten Kleidungsstücke aus diesem Stoff bestimmte Körperzustände erkennen und melden, zum Beispiel Blutdruck oder Puls. Das wäre dann besonders attraktiv für Einsätze in Sport oder Medizin, aber auch in der Sicherheit.

Sie sind wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Forschungsorganisation. Haben Sie da überhaupt etwas von Ihrer revolutionären Idee?

Ja, ich kann sie hier am Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF in Darmstadt weiterverfolgen. Mittlerweile sehe ich noch eine ganze Reihe anderer Einsatzmöglichkeiten in der Industrie, zum Beispiel in der Luftfahrt, in Windanlagen oder im Bauwesen.

Wie kommt man denn auf so eine Idee?

Das hat natürlich eine längere Vorgeschichte. Im Laufe meines Master-Studiums erfuhr ich von einer Freundin, dass es bei Fraunhofer spannende Jobs als Hilfswissenschaftler/in (HiWi) gibt. Ich bewarb mich, wurde genommen und fand ganz schnell dort mein Masterarbeitsthema: Ich habe in einem experimentellen Aufbau das Dehnungsverhalten von Windanlagen-Rotorblättern simuliert. Bei den Messungen arbeitete ich mit sogenannten piezoelektronischen Sensoren, über die sich Faktoren wie Druck, Spannung oder Kraft bestimmen lassen. Der Name Piezoeffekt leitet sich vom griechischen Wort für Druck ab und beschreibt das Auftreten von elektrischer Spannung an Festkörpern, wenn sie elastisch verformt werden.

Wie kommt man denn von Windanlagen-Rotorblättern auf Textilien?

Über ein tolles Team. Bis zu meiner Masterarbeit hatte ich eigentlich keine Ahnung, was ich nach dem Studium beruflich machen will. Dann hat mir die Arbeitsatmosphäre am Institut so gut gefallen, dass ich nicht zögerte, als man mir eine Stelle als wissenschaftliche anbot. Dort kam ich dann gemeinsam mit einer Kollegin auf die Idee mit den energiegewinnenden Folien. Die sogenannten Elektretfolien funktionieren ganz ähnlich wie die Piezotechnologie, mit der ich bei den Windanlagen gearbeitet habe: Sie erzeugen ein quasi-permanentes elektrisches Feld in ihrer Umgebung oder in ihrem Inneren.

Gibt es diese Folien auch in anderen Bereichen?

Bislang werden sie beispielsweise als Membranen für Mikrofone oder Kopfhörer, als Ultraschall-Wandlerschichten in der Medizintechnik, als Infrarot-Bewegungsmelder und in vielen anderen Bereichen eingesetzt.

Was steht als nächstes auf Ihrem Programm?

Zunächst weitere Studien für die Materialforschung, um ein marktreifes Produkt aus den Folien zu entwickeln. Außerdem meine Promotion. Und die Chance, zusammen mit Fraunhofer den asiatischen Markt zu erschließen.

Was reizt Sie an der Aufgabe, am Aufbau eines Geschäfts in Asien mitzuwirken?

Ich bin in Südkorea geboren und kam mit sieben Jahren nach Deutschland, mir sind also beide Kulturen sehr gut bekannt. Das ist eine tolle Chance.

Wann war für Sie klar, dass Sie Elektrotechnik studieren wollen?

Nach dem Abi wollte ich etwas Kreatives, Visionäres studieren. Ich schwankte zwischen Kunst und Chemie, beides hatte ich im Leistungskurs. Relativ spontan entschied ich mich dann für den Studiengang Elektro- und Informationstechnik an der Technischen Universität Darmstadt. Das war zuerst schon schwer, aber ab dem 2. Semester ging es und ich habe es nie bereut.

Was würde Sie jungen Menschen raten, die gerade vor der Berufsentscheidung stehen?

Vernetzt euch und tauscht euch viel aus. Dass wir das bei Fraunhofer so intensiv machen können, hat mir immer geholfen. Und es gibt ja ganz viele Angebote schon für Schülerinnen und Schüler, zum Beispiel die „Talent Take Off“-Programme. Für alle, die schon im Studium sind: Ihr müsst nicht alles zusammen mit anderen machen, aber eine gute Lerngruppe kann eine tolle Stütze sein. Sie macht euch bewusst, dass ihr nicht allein mit eventuellen Schwierigkeiten seid. Außerdem bekommt ihr über die anderen zusätzliche Infos – und gemeinsam macht es wesentlich mehr Spaß.

Apropos Spaß: Wie tanken Sie auf, wenn die guten Ideen mal nicht kommen wollen?

Mir persönlich ist ein inspirierendes Umfeld sehr wichtig, deshalb pendle ich täglich von Frankfurt am Main nach Darmstadt. Etwa eine halbe Stunde dauert die einfache Strecke mit der Bahn, aber in Frankfurt gibt es viele tolle Restaurants, die sorgen für Abwechslung. Und so viele gute Museen und Ausstellungen, die ganz viel Inspiration bieten und meinen Einfallsreichtum in der Forschung beflügeln. Kunst und Forschung ergänzen sich nämlich ausgesprochen gut!

Text: Ines Bruckschen

Foto: Fraunhofer LBF

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