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Technik

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Interview von Claudia

Claudia ist 49 Jahre alt und Abteilungsleiterin In einem Großunternehmen der Automobil-Zulieferindustrie. Sie hat Maschinenbau in Stuttgart studiert und engagiert sich bei gemeinnützigen Projekten.

Was und an welcher Hochschule haben Sie studiert?

Ich habe an der Berufsakademie Stuttgart Maschinenbau mit Fachrichtung Fertigungstechnik studiert.

Was hat Sie dazu bewogen, dieses Studium zu realisieren? Haben Sie erst eine andere Richtung eingeschlagen?

Ich hatte zuvor keine andere Ausbildungsrichtung eingeschlagen. Ich gehöre zu den geburtenstarken Jahrgängen. Alle Studien waren überlaufen, in allen Fachrichtungen gab es „Schwemme“ und „Seen“, nur der Ruf nach Ingenieuren hatte sich über alle Jahre konstant gehalten. Ich bin bei meiner Berufswahl überhaupt nicht meinen Neigungen, sondern ausschließlich praktischen Erwägungen gefolgt: Ingenieure schienen stets gefragt zu sein und der Beruf würde die Frau ernähren.

Hatten Sie vor oder während des Studiums bereits praktische Erfahrungen in Form von Nebenjobs, Ferienjobs, Teilnahme am Girls’ Day – Mädchen-Zukunftstag, Praktika, Werkstudentinnentätigkeiten?

Niemand hätte unberührter als ich in dieses Studium gehen können: keinerlei familiäre Prägung, kein (besonderes) Interesse an Technik, alle mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer in der Oberstufe (Kollegstufe) abgewählt, noch nie ein Industrieunternehmen von innen gesehen, noch nie ein Mofa auseinandergeschraubt,... Ich hatte schlichtweg keinen Dunst. Daher auch „Maschinenbau“: irgendwie schien mir das aus der Beschreibung des Studienführers das am breitesten angelegte Studium zu sein.

Welchen Rat würden Sie einer Schülerin mit auf den Weg geben, die überlegt ob sie in einem MINT-Fach studieren soll?

Einfach machen!!! Die jungen Männer, die sich die technischen Studien zutrauen, kochen häufig auch nur mit sehr lauwarmem Wasser.
Genereller Verstand ist nützlich, eine besondere Affinität zu Technik keineswegs notwendig, Fleiß ist in vielen Fällen erforderlich, ansonsten genügt der gesunde Menschenverstand.

In Ihrer Freizeit beschäftigen Sie sich am liebsten mit:

Meine „Freizeit“ wird ausgefüllt von meinen Kindern, die ich alleine großziehe und der Bewältigung meines Alltags.
Wenn darüber hinaus noch Zeit bleibt, reise ich gerne (habe bereits viel von der Welt gesehen), gehe gerne und häufig auf Konzerte und in Ausstellungen, ich fotografiere gerne, bewege ich mich und treibe gerne ein wenig Sport. Ich engagiere mich bei gemeinnützigen und berufspolitischen Vereinigungen.  Und ich versuche im Rahmen vielfältiger Aktivitäten jungen Frauen Mut zu technischen Berufen zu machen!

Wo arbeiten Sie?

In einem Großunternehmen der Automobil-Zulieferindustrie.

In welcher Position arbeiten Sie?

Ich bin Abteilungsleiterin.

An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit und wie dürfen wir uns dieses Arbeitsgebiet vorstellen?

Mein Alltag ist nicht mehr von selbstbearbeiteten Projekten geprägt, sondern von der Führung von Mitarbeitern, der Kommunikation im Unternehmen, der Priorisierung und Koordination von Themen und Projekten, der Teilnahme an Besprechungen.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?

Meist komme ich erst zwischen 9:30 und 10 Uhr in die Firma, weil ich zuvor meine privaten Alltag erledigt habe (Kinder, Wäsche, Schuster, Reinigung, Aldi-Schlacht, Finanzamt, ...) Ich selbst bin wenig fremdgesteuert (was eine absolut begünstigte Situation ist), sondern kann relativ frei planen, welchen Themen ich mich widmen möchte. Meinen Terminkalender plane ich keineswegs mit Terminen zu, sondern lasse viel Freiräume für Unvorhergesehenes und die Mitarbeiter.

Ist es für eine Frau schwieriger in einem eher männerdominierten Berufsfeld zu arbeiten? Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht?

Die Arbeit selbst ist nicht schwieriger – Frauen denken genauso gut und logisch – aber hinsichtlich Aufstieg / Anerkennung / Durchsetzung ist die gläserne Decke unverkennbar und undurchdringlich – und daran hat sich in den letzten 30 Jahren nichts verändert.
Ich habe auf meine Weise darauf reagiert, indem ich mein Familienleben gleichrangig neben den Beruf stelle, nicht meinen ganzen Ehrgeiz in meine berufliche Tätigkeit setze und mich nicht ausschließlich über den beruflichen Erfolg definiere.

Welche besonderen Vorkenntnisse, Fähigkeiten und Interessen braucht man für dieses Berufsprofil?

Intelligenz hilft, ebenso rasche Auffassungsgabe und ein klarer Verstand – und im Laufe der Zeit soziale Kompetenzen und diplomatische Fähigkeiten. (Pflichtbewusstsein, Fleiß und Zuverlässigkeit sind selbstverständlich.) Persönliches Format, Rückgrat und ein gewisses Stehvermögen helfen einer Frau. Mehr ist für die Bewältigung von 90% aller Aufgaben nicht erforderlich.

Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit am meisten?

Die Aufgabenstellungen wechseln täglich, es ist nie langweilig, es bereitet mir Freude, Verantwortung zu tragen, auch für Menschen, es freut mich, wenn sich Mitarbeiter positiv entwickeln. Ich schätze meine persönlichen Freiräume und mein ordentliches Gehalt schafft mir (für meine Anforderungen) hinreichenden finanziellen Spielraum. In nur wenigen Berufen ist für Frauen das Verhältnis von geleistetem Einsatz und erzieltem Gehalt so positiv.

Sind Sie in Projekten/Maßnahmen aktiv, die es sich zum Ziel gesetzt haben, junge Menschen für MINT zu begeistern? Wenn ja, wie versuchen Sie, dieses Ziel umzusetzen?

Ja, ich bin aktiv. Ich engagiere mich im VDI, bin Mentorin für Studentinnen, nehme Termine wahr, bei denen Ingenieurinnen um Vorträge gebeten werden, gehe im Schulen – und fülle MINT-Fragebögen aus.

Wie schaffen Sie es, Beruf und Familie zu vereinbaren?

Ich erziehe allein und ohne jegliches familiäres Umfeld im Hintergrund – dafür muss man relativ gut organisiert sein.
Als die Kinder kleiner waren, hatte ich eine Vollzeit-Haushälterin – das hat sehr entlastet, doch es ist sehr schwer, eine entsprechende „Perle“ zu finden.
Ich bin gut und sehr effizient in meinem Job und kann daher die Zeit relativ gleichberechtigt zwischen Job und Familie teilen. Ich habe in meiner jetzigen Lebensphase bewusst darauf verzichtet, Karriere mit entsprechendem Einsatz machen zu wollen. Viele Reise und Auslandsaufenthalte mute ich mir nicht zu, sondern lasse das meine Mitarbeiter erledigen.

Welche beruflichen Ziele haben Sie persönlich für Ihre eigene Karriere?

Zuerst kommen meine Kinder, solange sie in meiner Obhut leben, denn ich habe sie zur Welt gebracht und damit Verantwortung für sie übernommen.
Meine persönliche Zufriedenheit hängt nicht vorrangig von Karriere ab, das weiß ich seit vielen Jahren. Die mir wichtigen Dinge sind in der Regel nicht mit Geld zu erwerben (Gesundheit, Partnerschaft, Kinder, Zeit), und mein Beruf schafft mir einen hinreichenden finanziellen Hintergrund für persönliche Freiräume. Ich brauche auch die Zeit, um diese Freiräume nutzen zu können.
Wenn die Kinder nicht mehr in meinem Haushalt leben werden und wenn sich dann eine berufliche Herausforderung ergibt, dann bin ich geistig und räumlich mobil genug, um diese Herausforderung anzunehmen – durchaus weltweit. Doch das lasse ich auf mich zukommen. In meiner heutigen Lebenssituation würde ich mich damit über Gebühr überfordern.

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