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Naturwissenschaften

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Interview von Janina

Janina Epping (30) hat Biotechnologie studiert und blüht auf, wenn ihre Löwenzähne im Labor besonders viel klebrigen Saft produzieren. Denn daraus lässt sich wertvoller Naturkautschuk produzieren, aus dem man Autoreifen, Gummihandschuhe, Kondome oder Katheder herstellen kann.

Wie kamen Sie auf Ihr Studienfach?

Ich habe mir überlegt, was mir am meisten Spaß macht. Zunächst dachte ich daran, Geschichte zu studieren, das hatte ich im Leistungskurs. Bis ich zu einer Studienberaterin ging. Danach war mir klar: Ich werde mich für Biowissenschaften bewerben. Ich will herausfinden, wie Leben funktioniert.

Wann kam da der Kautschuk ins Spiel?

Schon in meiner Bachelorarbeit ging es darum, wie man mit Bakterien und anderen Mikroorganismen alte Autoreifen zersetzen kann. Das Masterstudium in Biotechnologie schloss ich ebenfalls mit einer Arbeit über Kautschuk ab, da ging es schon um den Kautschuk produzierenden Löwenzahn. Und dazu habe ich auch an der Uni Münster promoviert.

Wie sieht ihre aktuelle Forschungsarbeit aus?

Ich will herausfinden, warum der Löwenzahn überhaupt Naturkautschuk herstellt. Und vor allem, wie er das macht und welche Enzyme daran beteiligt sind. Das ist Molekularbiologie, das fasziniert mich: herauszufinden, wie genau die Pflanze diesen Stoff synthetisiert. Und weil ich das bei Fraunhofer mache – genauer gesagt am Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie IME in Münster – geht es um möglichst konkrete Anwendungsmöglichkeiten. In diesem Fall: die kaukasischen Löwenzähne für die Reifenindustrie arbeiten zu lassen. Konkret ist die Firma Continental daran interessiert, viel und guten Naturkautschuk für Autoreifen zu bekommen.

Und wie weit ist dieses Kooperationsprojekt schon gediehen?

Die ersten Prototypen werden bereits getestet, und zwar mit Erfolg. Dennoch wird es noch rund zehn Jahre dauern, bis Autos im großen Maßstab mit Löwenzahn-Reifen auf unseren Straßen rollen. Denn es muss dazu noch weitere molekulare Forschung gemacht werden, um den möglichst idealen Löwenzahn zu züchten, der besonders ergiebige Mengen an Naturkautschuk produziert. Es geht aber auch darum, genug Bauern zu finden, die bereit sind, dieses „Unkraut“ in großen Mengen anzubauen.

Wird der Löwenzahn dann nicht ein Konkurrent für den Nahrungsmittel-Anbau?

Nein, denn Löwenzahn wächst überall – auch da, wo sonst kaum etwas blüht – und ist mit extrem wenig Nährstoffen zufrieden. So gibt es keine Konkurrenz zum Nahrungsmittel-Anbau, darauf achten wir von vornherein. Ich möchte mit meiner Forschung dazu beitragen, dass die Welt ökologischer wird. Gerade als Pflanzenbiologin geht es mir auch darum, dass wir Ressourcen erschließen, die wir bisher noch nicht genützt haben. Es ist ja so, dass Naturkautschuk bislang aus dem Gummibaum gewonnen wird, und dafür wird Regenwald abgeholzt. Für diesen Raubbau Alternativen zu finden, das ist mir sehr wichtig. Und das Tolle dabei: Es ist auch noch sehr gut möglich!

Haben Sie keine Angst, dass Ihnen das Thema einmal langweilig wird?

Niemals, über Pflanzen gibt es noch so viel zu erforschen. Wir wollen ja auch weg vom Öl, also Kohlenwasserstoffe aus Pflanzen zur Energiegewinnung nützen, da gibt es auch noch viel zu tun. Oder wie gehen Pflanzen mit Stress um, zum Beispiel mit Trockenstress? Um diese Mechanismen zu ergründen und zu verbessern, muss man die Pflanze molekular verstehen.

Was raten Sie Schülerinnen, die über ein MINT-Studium nachdenken?

Studiert auf alle Fälle das, worauf ihr wirklich Lust habt. Fragt euch, was euch begeistert, und nicht, womit ihr am meisten Geld verdient. Denn wie sich der Berufsalltag nachher gestaltet, kann man sich am Anfang des Studiums ohnehin nicht recht vorstellen. Aber zu ergründen, was einen schon immer interessiert hat, das kann man.

Und wie bekommen Sie den Kopf wieder frei nach einem langen Tag im Labor?

In meiner Freizeit spiele ich als einzige Frau Bass in einer Metal Band. Außerdem spiele ich Feldhockey in der Liga. Auch dieser Mannschaftssport und die Beziehung zu meinem Mann helfen mir darüber hinweg, wenn im Labor mal etwas gründlich schief geht. Das muss man wegstecken können. Forschung heißt immer, dass es auch Rückschläge gibt. Das sollte einem bei der Studienwahl bewusst sein. Aber wenn man plötzlich etwas versteht, wenn die Theorie, die man vorher gebildet hatte, stimmt, dann ist die Freude groß!

Interview: Ilona Jerger

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