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MINT-Veranstaltungen

Dokumentation der "Komm, mach MINT."-Netzwerktagung 2016

Digitale Transformation als Chance - Neue (Führungs-)Rollen für MINT-Frauen?

Die fortschreitende Digitalisierung hat Einfluss auf die Produktions- und Arbeitsweise in allen Bereichen. Dadurch verändern sich auch die Beschäftigungsbedingungen – In manchen Berufen wird sich die Arbeit grundlegend verändern, in anderen Berufen wird dieser Prozess nicht so schnell und nicht so intensiv vonstatten gehen. Der Frage, welche Vor- und Nachteile die Digitalisierung in den MINT-Berufen mit sich bringt und was dies für MINT-Frauen auf ihrem Karriereweg bedeutet, gingen rund 70 Paktpartner auf der „Komm, mach MINT.“-Netzwerktagung vom 06. bis 07.10.2016 in Potsdam nach.

Durchgeführt wurde die Tagung in Kooperation mit dem „Komm, mach MINT.“-Partner Universität Potsdam. Sie fand damit erstmals an einer Universität statt.
 

06. Oktober 2016

Begrüßung Dr. Stefan Luther

Nach der Begrüßung durch Dr. Stefan Luther, Leiter der Unterabteilung „Strategie; Digitaler Wandel“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) begrüßte Prof. Dr. Norbert Gronau vom Institut für Wirtschaftsinformatik und Digitale Gesellschaft der Universität Potsdam die Anwesenden und führte anschließend in das Thema Industrie 4.0 ein.

Begrüßung Prof. Dr. Norbert Gronau

In seinem Vortrag „Vom dummen zum schlauen Werkstück – Wie die Digitalisierung die Arbeitsorganisation verändert“, zeigte er auf, dass die Informatik in der Industrie 4.0 eine zentrale Rolle spielt. Kernbausteine sind Embeded Systems und Globale Netze/Dienste. Durch diese Kernelemente ist es möglich, mehr Daten durch immer bessere Algorithmen zu verarbeiten und durch die weltweite Vernetzung gleichzeitig einen unmittelbaren Zugriff und den direkten Informationsaustausch zu ermöglichen. Entsprechend hat Industrie 4.0 Auswirkungen auf das Produkt, den Markt, den Arbeitsprozess und die Mitarbeitenden. Wesentliche Veränderungen in der Arbeitsorganisation durch Industrie 4.0 liegen laut Prof. Gronau in der Digitalisierung, Delinearisierung, Dehierarchisierung und der Individualisierung.

Vom dummen zum schlauen Werkstück

Gronau.pdf (968,4 kB)

Begrüßung der neuen Partner

Vorstellung der neuen Paktpartnerinnen und Paktpartner

Im Gespräch mit Dr. Ulrike Struwe, Leiterin der Geschäftsstelle von „Komm, mach MINT.“, hatten die neuen Paktpartnerinnen und Paktpartner die Gelegenheit, sich und ihr Unternehmen/ihre Organisation kurz vorzustellen und zu berichten, warum sie dem Pakt beigetreten sind. Gleichzeitig konnten sie ihre Wünsche nach Vernetzung und Austausch mit den anderen Paktpartnern konkretisieren.

Die Impulsphase

Impuls 1:

„Praxislernen in der Lernwelt Industrie 4.0: Die virtuelle Fertigung eines Kniegelenks“

Vortrag Prof. Dr. Norbert Gronau

Was heißt Industrie 4.0 ganz praktisch? Davon konnten sich die Teilnehmenden der Netzwerktagung ein Bild im ersten Impulsvortrag machen. Am Beispiel der virtuellen Fertigung eines Kniegelenks wurde ihnen im Anwendungszentrum Industrie 4.0 (AZI) der Universität Potsdam verdeutlicht, wo die Vorteile der Digitalisierung für Unternehmen liegen. Im AZI können beliebig viele Produktionsabläufe in Fabriken simuliert werden – das Produkt oder welche Branche ist dabei egal. In jedem Fall zeigt die Simulation, welche positiven Auswirkungen durch die Digitalisierung erreicht werden können.

http://industrie40-live.de

Impuls 2:

„Organisationsformen in Industrie 4.0 – Welche Kompetenzen sind gefragt?“

Vortrag Jun.-Prof.’ in Dr. Anja Iseke

Im zweiten Impulsvortrag des Tages ging Jun.-Prof.'in Dr. Anja Iseke auf die Herausforderungen der Digitalisierung für Unternehmen ein. Zentral waren dabei Fragen wie „Inwiefern verändern sich Organisationen durch Industrie 4.0?“ und „Welche Auswirkungen hat das auf Qualifikationsstrukturen und erforderliche Kompetenzen?“
 

Sie stellte heraus, dass sich sowohl Organisationsmerkmale als auch Organisationsformen ändern werden. Die hierarchische Organisationsform werde in ihrer Bedeutung geringer, Netzwerkorganisationen an Bedeutung gewinnen. Dies sei durch Paradoxien gekennzeichnet. So erfordere Automatisierung auf Basis von Digitalisierung Stabilität, Standardisierung und vollständige Kontrolle. Gleichzeitig müsse das System agil sein, die Netzwerke innerhalb und zwischen den Organisationen auf der Autonomie hochqualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Vertrauen basieren.
 

In Bezug auf die Qualifikation des Personals geht Iseke davon aus, dass einfache, repetitive administrative und ausführende Tätigkeiten von Robotern übernommen und alle andere Tätigkeiten komplexer und umfangreicher werden. Für hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen mit IT-Kenntnissen, Datenanalyse und Lernfähigkeit nicht nur Fach- und Methodenkompetenzen an Bedeutung, sondern auch Sozial- und Selbstkompetenzen.

Organisationsformen und Kompetenzen in Industrie 4.0

Iseke.pdf (205,4 kB)

Impuls 3:

„Woran liegt es, dass Frauen manche MINT-Berufe vermehrt ergreifen und andere noch nicht?“

Vortrag Dr. Britta Matthes

Woran liegt es, dass Frauen manche MINT-Berufe vermehrt ergreifen und andere noch nicht? Dieser Frage ging Dr. Britta Matthes vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in ihrem Impulsvortrag nach. Sie zeigte auf, dass nach wie vor die geschlechtsspezifische Sozialisation, eine nicht zufriedenstellende Vereinbarkeit von Karriere und Familie sowie ein wenig attraktives Bild der MINT-Berufe entscheidend dafür sind, dass viele Frauen diese Berufe nicht wählen.
 

Zudem finden Frauen in geschlechtsuntypischen Berufen schlechter eine Stelle als Männer und arbeiten überdurchschnittlich häufig nicht in diesen Berufen. An all diesen Stellschrauben gilt es anzusetzen und Änderungen herbeizuführen, beispielsweise durch die Standardisierung von Stellenbesetzungsprozessen. Bezüglich Karriere gilt es, Frauen durch geeignete Programme, wie beispielsweise Mentoring, dazu zu motivieren, Aufstiegschancen zu nutzen.

Frauen MINT-Berufe

Matthes.pdf (722,8 kB)

Vorstellung der neuen Projekte

Markt der Möglichkeiten

Der erste Veranstaltungstag schloss mit einem Markt der Möglichkeiten. Hier erhielten die Anwesenden Einblick in die aktuelle, MINT-relevante Projektförderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und konnten sich mit den Projektverantwortlichen über eigene Erfahrungen, Best Practice und Vernetzungsmöglichkeiten austauschen. Vorgestellt wurden folgende Projekte:

Führend Wissen Schaffen – Erfolgsfaktoren für Gewinnung und Aufstieg von Frauen in MINT-Führungspositionen in der Wissenschaft (FuehrMINT) der Technischen Universität München (Projektleitung: Prof. Dr. Claudia Peus)

Im Rahmen des Projekts soll untersucht werden, welche Anforderungen an Führungskräfte in den MINT-Wissenschaften gestellt werden, und wie Frauen verstärkt für diese Positionen gewonnen und qualifiziert werden können.

Geschlechtergerechte Fachdidaktik in Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaftswissenschaften (GELEFA) der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd (Projektleitung: Frau Prof. Dr. Marita Kampshoff)

In dem Projekt wurde der Frage nachgegangen, wie Jungen und Mädchen in den Fächern Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaftswissenschaften gleichermaßen erfolgreich ausgebildet werden können.

GenderMINT 4.0 – Studiengangentscheidungen, Studieneingang und Studienerfolg von Frauen (und Männern) in MINT der Technischen Universität München (Projektleitung: Prof. Dr. Susanne Ihsen)

Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, neue Erkenntnisse über die erfolgreiche und nachhaltige Einbindung von Frauen (und Männern) in MINT-Studiengänge und -Berufe vor dem Hintergrund verschiedener gesellschaftlicher und organisationaler Veränderungen zu gewinnen.

GENERGIE – Gender in der Energietechnik des Steinbeis-Europa-Zentrums der Steinbeis Innovation gGmbH (Projektleitung: Saskia Heyde)

GENERGIE bringt Expertinnen und Experten aus den Bereichen Gender und Energietechnik zusammen, um gemeinsam Genderaspekte für Ausbildung und Forschung zu erarbeiten.

Digital Me – Entwicklung einer Informationsplattform für junge Frauen zur Berufs- und Studienorientierung in IT-nahen Berufen (Digital Me) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münste

(Projektleitung: Prof. Dr. Cornelia Denz)
Um junge Frauen für IT-Berufe zu begeistern und ihnen bei der Berufswahl einen unverstellten Blick auf die Möglichkeiten in diesen Gebieten zu eröffnen sowie sie in ihren Kompetenzen zu bestärken, wird die digitale Plattform Digital Me entwickelt.

Gendering MINT – Vernetzung von Gender-Perspektiven in den Natur- und Technikwissenschaften der Universität Freiburg (Projektleitung: Prof. Dr. Nina Degele)

Das Projekt Gendering MINT zielt auf einen Austausch zwischen Institutionen sowie Fachwissenschaftler/innen, um der schwachen institutionellen Verankerung von Gender-Perspektiven in den MINT- Fächern zu begegnen.

 

Alle vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Pakts gemeinsam mit Komm, mach MINT.-Partnern geförderten Projekte können Sie hier einsehen: www.komm-mach-mint.de/MINT-Projekte/Komm-mach-MINT.-Projekte

Postervorstellung Genergie

Postervorstellung DigitalMe

Postervorstellung Gender MINT 4.0

Postervorstellung FuehrMINT

Postervorstellung GenderingMINT

Postervorstellung des Projekts Gelefa

07. Oktober 2016

Begrüßung und Bericht zur Arbeit der „Komm, mach MINT.“-Geschäftsstelle

Vortrag Dr. Ulrike Struwe

Der zweite Tag der Netzwerktagung startete mit einem Bericht der Geschäftsstelle von „Komm, mach MINT.“ Die Leiterin, Dr. Ulrike Struwe, gab einen Überblick über die aktuellen und neuen Veranstaltungsformate der Geschäftsstelle, die neuen Paktpartner und die Entwicklung der Zahl der Studentinnen und Absolventinnen in den MINT-Fächern.

Bericht zur Arbeit der „Komm, mach MINT.“-Geschäftsstelle

Struwe.pdf (3,9 MB)

Vortrag „Digitale Lernszenarien für Hochschulen – ein Praxisbericht“

Vortrag „Digitale Lernszenarien für Hochschulen – ein Praxisbericht“  Julius-David Friedrich

Wie und in welcher Form können Hochschulen von der Digitalisierung profitieren? In seinem Vortrag „Digitale Lernszenarien für Hochschulen – ein Praxisbericht“ ging Julius-David Friedrich vom Centrum für Hochschulentwicklung auf diese Frage ein und zeigte vorab auf, dass die Hochschulen bezüglich der Digitalisierung noch am Anfang stehen.
 

Seiner Meinung nach bietet die Digitalisierung vielfältiges Potenzial für die Hochschulen, insbesondere vor dem Hintergrund einer großen Zahl an Studierenden mit wachsender Heterogenität. Diesbezügliche Stichworte sind Massifizierung (z.B. MOOCs), Personalisierung (z.B. Inverted Classroom), sofortiges Feedback (z.B. Pingo und Khan Academy), Simulation der Wirklichkeit (z.B. Virtual Reality) und Motivation (z.B. Game Based Learning).

Digitale Lernszenarien für Hochschulen

Friedrich.pdf (1,4 MB)

Vortrag „Digitalisierung verbindet Welten – Attraktive Karriereperspektiven für Frauen“

Vortrag Andera Gadeib

Die Wirtschaftsinformatikerin und Gründerin von Dialego, SmartMunk und lets-balance.de, Andera Gadeib, ging in ihrem Vortrag darauf ein, wie die Digitalisierung Welten verbindet und attraktive Karriereperspektiven für Frauen schafft. Ihr ist es besonders wichtig, jungen Menschen und insbesondere Mädchen und jungen Frauen Mut zu machen, MINT-Berufe auszuprobieren, und das jenseits von Rollenklischees.

Digitalisierung verbindet Welten

Gadeib.pdf (23,4 MB)

Podiumsdiskussion „Digitale Transformation als Chance – Neue (Führungs-)Rollen für MINT-Frauen?“

Podiumsdiskussion Netzwerktagung

In der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Cornelia Leunig (Leiterin der Abteilung Frauen/Gleichstellung, Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie), Andera Gadeib (Wirtschaftsinformatikerin und Gründerin), Prof.’ in Dr. Monika Gross (HRK-Vizepräsidentin für Digitale Infrastrukturen und Präsidentin der Beuth Hochschule für Technik Berlin), Jun.-Prof.’ in Dr. Anja Iseke (Organizational Behaviour, Universität Paderborn), Julius-David Friedrich (Projektmanager im Centrum für Hochschulentwicklung) und Dr. Britta Matthes (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit) darüber, wie und in welcher Weise die Digitalisierung neue Chancen für Frauen in MINT-Berufen und in Bezug auf Karriereperspektiven bietet und wie die Herausforderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, am besten bewältigt werden können. Folgende Punkte wurden dabei herausgestellt:
 

MINT-Aktivitäten früh ansetzen und Alltagsbezug einbinden

Programmierung sollte als verpflichtendes Schulfach eingeführt werden, dabei sollte besonders auf den Alltagsbezug Wert gelegt werden. Es geht nicht darum, Programmieren um des Programmieren Willens zu lernen, sondern damit etwas Sinnvolles tun zu können. Beispielsweise: Wir sorgen dafür, dass eine Blume immer optimal mit Wasser versorgt ist und dazu nutzen wir Programmierung als Mittel zum Zweck.

Darstellung von und Marketing für MINT-Berufe verändern

Die Beschreibung der MINT-Berufsfelder muss deutlich machen, wo die konkreten Anwendungsmöglichkeiten liegen (Alltagsbezug). Gleichzeitig muss deutlich gemacht werden, dass in diesen Berufen soziale Kompetenzen einen hohen Stellenwert haben und viel im Team gearbeitet wird, bzw. im Austausch mit anderen. Wichtig ist auch, dies in Stellenausschreibungen zu beachten und die Inhalte nicht auf Technik und Programmierung zu reduzieren.

Darstellung von Berufen allgemein anpassen

Zusammenfassung der Ergebnisse der Podiumsdiskussion

Von der zunehmenden Digitalisierung sind nicht nur die klassischen technischen Berufsfelder betroffen. Auch die meisten anderen Berufe sind mehr oder weniger stark davon betroffen. Entsprechend müssen Stellenbeschreibungen aktualisiert werden: einerseits um den Jugendlichen zu zeigen, dass informationstechnische Kenntnisse generell wichtig sind, um den Einstieg in den Beruf zu meistern, andererseits aber auch, um deutlich zu machen, dass MINT-Berufe eine interessante Alternative sind.

Unternehmenskulturen verändern

Um attraktiver für Frauen zu werden, müssen Unternehmen ihre Kulturen verändern. Das heißt vor allem Diversity als Erfolgsfaktor für das ganze Unternehmen wahrzunehmen und zu kommunizieren. Zudem muss die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für alle – Frauen und Männer – ermöglicht und eine breite Akzeptanz für die Vereinbarkeit von Familie und beruflichem Erfolg geschaffen werden. Neben Möglichkeiten der Kinderbetreuung, Teilzeit etc. können hier durch die Digitalisierung weitere Möglichkeiten der Flexibilisierung von Arbeit ausgebaut werden, beispielsweise Homeoffice. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass die Flexibilisierung nicht zur Falle wird. Es dürfen nicht nur diejenigen Karriere machen, die im Unternehmen präsent sind, sondern auch die im Homeoffice und/oder in Teilzeit Tätigen, müssen diesbezüglich Chancen haben.

Twitter zu #MINTNWT16

Hashtag MINTNWT16 auf twitter

Auf der Netzwerktagung wurde auch getwittert. Mit dem Hashtag #MINTNWT16 berichtete die Komm, mach MINT.-Geschäftsstelle live über interessante Beiträge. Einen Überblick über die gesendeten Tweets und dazugehörigen Fotos erhalten Sie hier: twitter.com/search=MINTNWT16

 

Wir freuen uns auf die Netzwerktagung 2017, Ihr Komm, mach MINT.-Team!

Fotos: Tom Maelsa

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