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Postergeschichten

Lena

"Wo das Hören das Sagen hat" - Lena ist Hörforscherin und untersucht, wie Produkte am besten klingen.

Lena: Wo das Hören das Sagen hat

Steckbrief

Foto Lena Schell-Majoor

Foto: L´Oreal, Peter Boettcher

Name: Lena Schell-Majoor

Studiengang: Medientechnik und "Zeitabhängige Medien"

Beruf: Doktorandin im Bereich Psychoakustik

Arbeitgeber: Fraunhofer IDMT

Interview

Es gibt so unglaublich viele Studiengänge und Berufe. Wie hast du von deinem Beruf erfahren und warum musste es ausgerechnet der sein?

Töne haben mich schon immer interessiert. Ich war Mitglied einer Musiktheatergruppe, mit der wir in einem Tonstudio eine CD aufgenommen haben. Da war ich elf und dachte, so was will ich später mal machen. Doch als ich mich für einen studienvorbereitenden Kurs an der Musikhochschule anmelden wollte, kam die Ernüchterung. Die sagten, ich hätte keine Chance, weil ich weder Klavier noch ein anderes Instrument spiele. Also ging ich erstmal nach Amerika, machte ein paar Praktika und sah mich um, was es sonst so gibt. Dabei stieß ich auf Medientechnik an der HAW Hamburg, und dort war Tontechnik zumindest ein Teilbereich.

Was kann man mit Medientechnik machen?

Medientechnik ist ein sehr vielseitiges Studium. Es beinhaltet die Grundlagen verschiedener Ingenieurswissenschaften, wie Elektrotechnik, Nachrichtentechnik, aber auch Physik, Mechanik und man beschäftigt sich auch mit Gestaltung und Wahrnehmung. Dem entsprechend kann man damit ziemlich viel machen und es ist total unterschiedlich, was z.B. meine Kommilitoninnen und Kommilitonen mittlerweile machen.

Ich habe nach dem Studium zunächst als Entwicklungsingenieurin für Kabinenakustik bei der Lufthansa Technik gearbeitet. Bis mich ein ehemaliger Professor auf den neuen Masterstudiengang "Zeitabhängige Medien, Schwerpunkt Sound" aufmerksam machte. Den habe ich nebenberuflich absolviert und in der Abschlussphase habe ich die ausgeschriebene Doktorandenstelle zur Psychoakustik-Studie am Fraunhofer IDMT in Oldenburg gesehen. Ich musste zwar zusätzliche Kurse an der Uni belegen, konnte aber diese Doktorandenstelle antreten.

Worum geht es bei der Psychoakustik?

Geräusche von Produkten spielen bei der Kaufentscheidung eine immer größere Rolle. Also wollen die Hersteller von Rasierapparaten, Haarföhnen oder Küchenmixern heute schon in der Entwicklungsphase wissen, ob ihre Kunden mögen, was sie hören. Klingt der Staubsauger auch wirklich so, als sauge er effektiv? Oder sagt das Geräusch beim Zuschlagen der Autotür etwas über die Qualität des Fahrzeugs?

Um das herauszufinden, könnte man Hörstudien mit möglichst vielen Probanden durchführen, das ist aber sehr zeit- und kostenintensiv. Deshalb erforschen wir am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Oldenburg, welche akustischen Merkmale die empfundene Klangqualität ausmachen und wie sich diese automatisch, d.h. mit dem Computer, bewerten lassen.

Was gefällt dir an deiner Arbeit am besten und was am wenigsten?

Mir gefällt die Arbeit an der Schnittstelle zwischen Wahrnehmung und Technik. Ich habe sowohl Experimente mit Probanden durchgeführt, als auch mit Computermodellen gearbeitet. Ich lerne unheimlich viel. Auch nicht unwichtig finde ich, dass ich tolle Kollegen und gute Arbeitsbedingungen habe. Das ist vor allem mit Kind wichtig. Weniger gefällt mir der bürokratische Teil der Arbeit, aber das gehört eben auch dazu. Insgesamt finde ich, habe ich eine wirklich tollen Job!

Warum ist dein Job wichtig? Was ist der konkrete Nutzen für uns?

Der konkrete Nutzen für den einzelnen ist eher schwer zu beschreiben. Direkter ist der Nutzen für Unternehmen, die z.B. elektrische Geräte herstellen zu sehen. Wenn ich am Ende Parameter finde, die die Klangqualität verlässlich erklären, sparen die Unternehmen möglicherweise Geld in der Entwicklung oder verkaufen mehr, weil den Leuten das Produkt besser gefällt. Jeder einzelne bekommt dann vielleicht Produkte, die besser klingen. Forschung beinhaltet aber auch, dass Dinge nicht funktionieren oder viel komplizierter sind, als ursprünglich gedacht. In jedem Fall gibt es einen Erkenntnisgewinn.

Was rätst du jungen Frauen vor der Berufswahl?

Traut euch auszuprobieren, worauf ihr Lust habt. Und wenn es nicht klappt, dann begreift das Scheitern als Chance – alle stoßen mal an ihre Grenze. Aber dann heißt es, nicht die Flinte ins Korn schmeißen, sondern schütteln, weiter überlegen und was Neues in Angriff nehmen.

Interview: Ines Bruckschen und Claudia Schnell

Das Poster kann im Materialcenter kostenlos bestellt und heruntergeladen werden.

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