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Technik

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Interview von Ramona

Ramona, 31 Jahre alt, hat zielstrebig eine Laufbahn in einem namhaften Technologieunternehmen angestrebt. Privat schlägt ihr Herz für die Musik, sie schreibt Songs und spielt selbst Instrumente.

Was und an welcher Hochschule haben Sie studiert?

Wirtschaftsingenieurwesen bzw. Technik (das ist ein spezieller Studiengang für Absolventen mit wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund, in dem man ausschließlich den technischen Teil des Wirtschaftsingenieurwesens absolviert) an der Hamburger Fern-Hochschule (HFH).

Was hat Sie dazu bewogen, dieses Studium zu realisieren? Haben Sie erst eine andere Richtung eingeschlagen?

Nach dem Abitur hatte ich eigentlich etwas anderes vor. Ich wollte Musik machen. Die Idee habe ich aber aufgrund der negativen Entwicklung in der Musikindustrie relativ schnell verworfen und zunächst eine betriebswirtschaftliche Laufbahn eingeschlagen. Ich absolvierte zuerst mein Studium in International Management an der FHDW Hannover. Schon während dieses Studiums wurde mein MINTeresse durch mein erstes Praktikum im Bereich Fördertechnik geweckt. Ich versuchte von da an, nur noch Praktika in Technologieunternehmen zu absolvieren. In meinem ersten Job – in einem Technologieunternehmen versteht sich – wurde mir klar, dass ich mich in der Richtung weiterbilden muss und möchte, um die spannenden Aufgabengebiete zu übernehmen. Die Entscheidung, den Technikteil des Studiums in Wirtschaftsingenieurwesen an der HFH zu absolvieren fiel mir daher leicht.

Hatten Sie vor oder während des Studiums bereits praktische Erfahrungen in Form von Nebenjobs, Ferienjobs, Teilnahme am Girls’ Day – Mädchen-Zukunftstag, Praktika, Werkstudentinnentätigkeiten?

Ich bin schon während meiner Schulzeit Nebentätigkeiten nachgegangen, machte eine kaufmännische Ausbildung bei der DTAG. Während des International Management Studiums absolvierte ich verschiedene Praktika bei namhaften internationalen Technologieunternehmen im In- und Ausland in unterschiedlichen Abteilungen. Meinen ersten Job nach dem Erststudium begann ich bei ThyssenKrupp in Barcelona.

Haben Sie ein Auslandsstudium absolviert? Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Auslandssemester kann ich nicht vorweisen. Aber wie zuvor bereits erwähnt, habe ich bereits Erfahrung im Ausland durch Praktika in Thailand, England, Spanien, eine Traineestelle in Mexiko sowie meine erste Berufserfahrung in Spanien sammeln können.

Welchen Rat würden Sie einer Schülerin mit auf den Weg geben, die überlegt ob sie in einem MINT-Fach studieren soll?

Es wird eine breite Palette an MINT-Studiengängen angeboten. Je eher das Interesse vorhanden ist, desto besser. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich meine Schulpraktika ausschließlich in MINT-Bereichen machen. Ich würde mir zusätzlich Ferienjobs in unterschiedlichen MINT-Bereichen suchen. Kann ja sein, dass mir z. B. die Arbeit in der Konstruktion von Automatisierungsanlagen gefällt, aber die Programmierung von Steuerungssoftware nicht mein Fall ist. Ich halte es für sinnvoll, wenn man nach dem Abitur bereits weiß, in welche MINT-Richtung es gehen soll. Ich rate jeder Schülerin, sich vorab schon mal über die Inhalte der anvisierten MINT-Studiengänge zu informieren und zu überlegen, was ihr am meisten Spaß machen würde. Auch sollte man sich darüber informieren, welche Hochschulen empfehlenswert sind und vom Konzept her zu einem passen (Uni oder FH, staatlich oder privat, usw.). Es ist außerdem ratsam, in den MINT-Fächern schon in der Schule gut aufzupassen. Das hilft im Studium. Man muss aber nicht zwingend zu den Besten gehören, um ein MINT Studium zu erfolgreich zu absolvieren.

In Ihrer Freizeit beschäftigen Sie sich am liebsten mit…

Gesang, Gitarre und Ukulele spielen, Songwriting, Freunden, Netzwerken.

Wo arbeiten Sie?

Bei einem Sondermaschinenbauer, der Automatisierungsanlagen für verschiedene Industriezweige produziert.

In welcher Position arbeiten Sie?

Ich bin als Vertriebsingenieurin tätig.

An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit und wie dürfen wir uns dieses Arbeitsgebiet vorstellen?

1. Produktpräsentationen

Ich erstelle für unsere Automatisierungsanlagen die entsprechenden Produktpräsentationen in englischer Sprache für den Erstkontakt mit Kunden. Hierzu ist technisches KnowHow notwendig. D. h. ich arbeite eng mit den Kollegen der mechanischen und der Elektrokonstruktion, der Software-Abteilung, der Inbetriebnahme usw. zusammen. Ich muss die technischen Zusammenhänge kennen, denn nur mit diesem Wissen gelingt es mir, die positiven Verkaufsargumente für den jeweiligen Maschinentyp abzuleiten. Meine Kreativität kann ich bei der Gestaltung der Produktpräsentationen einbringen, indem ich z. B. Abbildungen des jeweiligen 3D-Modells aus dem CAD-Programm generiere, graphisch bearbeite und an den passenden Stellen der Präsentation einarbeite.

  1. Sales Guide

Der Sales Guide oder auch Verkaufsleitfaden ist eine Unterlage, die dazu dienen wird, unsere Maschinen den Vertriebsaußendienstlern, aber auch neuen Kollegen im Detail zu erklären. Sie wird von mir auf deutsch und englisch erstellt und geht technisch noch viel weiter in die Tiefe als die Produktpräsentationen. Denn nur wer eine breite Wissensbasis darüber besitzt, mit welchen technischen Raffinessen unsere Automatisierungsanlagen ausgestattet sind, der wird auch beim Kunden damit argumentieren und punkten können. Hierzu leite ich u.a. Workshops an den einzelnen Maschinen und arbeite eng mit der mechanischen Konstruktion zusammen, um daraus die Inhalte für Sales Guide zusammenzutragen. Auch hierfür generiere ich Abbildungen aus den 3D-Modellen und fotografiere einzelne Funktionsbaugruppen.

  1. Sales Forecast

Der Sales Forecast spiegelt unsere Verkaufsprognosen wider, die sich aus den aktuellen Anfragen ableiten. Ein Mal pro Woche leite ich zu dem Thema eine Besprechung mit Vertretern verschiedener Fachabteilungen, die in die Produktion der Maschinen involviert sind und kläre mit ihnen die Auftragswahrscheinlichkeit, unsere Bestandssituation, die Produktionsauslastung und andere Themen, damit wir auf potenzielle Auftragseingänge gut vorbereitet sind.

  1. Sales Checkliste

Um die Dauer unserer Angebotsabgaben zu beschleunigen, erstelle ich Sales Checklisten (englisch), die dazu dienen, alle technischen Anforderungen an eine Maschine aus einer Kundenanfrage abzuleiten, die notwendig sind, um ein zeitnahes Angebot erstellen zu können.

  1. Messebesuche

Einige Male im Jahr stehen auch Besuche auf Fachmessen an. Auf diesen Messen präsentieren wir unsere neuesten Produkte, z. T. mit einem Exponat. Gleichzeitig nutze ich die Messe, um mich darüber zu informieren, was es Neues vom Wettbewerb sowie von unseren Lieferanten gibt.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?

9:00 Arbeitsbeginn, kurz E-Mails und Termine durchsehen, ggf. antworten.

10:30 Workshopvorbereitung: Treffen mit dem Maschinenverantwortlichen aus der mechanischen Konstruktion zum Informationsaustausch über den betreffenden Maschinentyp. Informationen, Layouts, Ansprechpartner zur Maschine ermitteln.

12:00 Mittagspause

13:00 Wöchentliches Projektmanagement- und Vertriebsmeeting

14:00 Vorbereitung Sales Forecast: Informationen aus Produktionsplanung in das Sales Forecast Tool einarbeiten.

15:00 Sales Forecast Meeting mit den Fachabteilungen.

16:00 Nachbereitung Sales Forecast: Erstellung des Protokolls, in dem der Status, die abgeleiteten Aktivitäten und Verantwortlichkeiten festgehalten werden.

Ist es für eine Frau schwieriger in einem eher männerdominierten Berufsfeld zu arbeiten? Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht?

Nein, ich empfinde das sogar als sehr angenehm, da ein freundlicher, lockerer, ehrlicher und humorvoller Umgang miteinander gepflegt wird. Für sehr sensible Personen, die vielleicht auch etwas konservativere Unternehmenskulturen gewohnt sind, mag dies anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein. Ab und zu kommt auch mal ein zu lockerer Spruch. Tipp: Alles mit Humor sehen. Die „Sprücheklopfer“ denken sich nichts Böses dabei, suchen lediglich die Kommunikation und wollen dabei nur witzig sein. Im Gegenzug gibt’s dann auch gern mal einen humorvoll-provokanten Spruch von mir zurück. Unter die Gürtellinie geht es jedoch nie. Ich gehe jedenfalls gern zur Arbeit, da ich diese freundschaftlich-familiäre Arbeitsatmosphäre in unserem Unternehmen sehr schätze und ich hier ich selbst sein kann.

Welche besonderen Vorkenntnisse, Fähigkeiten und Interessen braucht man für dieses Berufsprofil?

Kenntnisse aus dem Technischen Bereich wie z. B. aus meinem Studium in Wirtschaftsingenieurwesen sind wichtig. Generell sollte man Neugier und Interesse an Technik mitbringen. Über eine kundenorientierte Einstellung sowie Empathie, d. h. die Fähigkeit, sich in den Kunden hineinzuversetzen und abzuleiten, welche Bedürfnisse und Anforderungen er an ein Produkt hat und wie man ihn am besten überzeugt, sollte man verfügen. Neben dem technischen KnowHow sind auch Marketingkenntnisse sowie Kreativität wichtig.

Sind Sie in Projekten/Maßnahmen aktiv, die es sich zum Ziel gesetzt haben, junge Menschen für MINT zu begeistern? Wenn ja, wie versuchen Sie, dieses Ziel umzusetzen?

Ich bin MINT Role Model und engagiere mich zu dem Thema in Form von Statements, Interviews sowie Vorträgen vor jungen Mädchen.

Welche beruflichen Ziele haben Sie persönlich für Ihre eigene Karriere?

Ich habe ja schon einiges erreicht, auf das ich stolz sein kann. Mal schauen, welche Möglichkeiten sich noch auftun. Für eine Erweiterung meines Verantwortungsbereiches bin ich gern offen.

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