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Naturwissenschaften

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Interview von Verena

Verena Themsen ist 41 Jahre alt und hat Physik in Heidelberg studiert. Sie ist Leiterin der Technischen Redaktion des Unternehmens Heidelberg Instruments Mikrotechnologie und betreut zudem die Service-Büros in China, Japan, Korea, Taiwan und den USA. Nebenbei ist sie Schriftstellerin.

Was und an welcher Hochschule haben Sie studiert?

Ich habe Physik studiert; bis zum Vordiplom an der Universität Hamburg, danach in Heidelberg, wo ich anschließend auch promovierte.

Was hat Sie dazu bewogen, dieses Studium zu realisieren?

Mein Werdegang war sehr direkt. Schon mit 16 hatte ich beschlossen, Physik zu studieren. Dazu gebracht hat mich meine Faszination für das Weltall. Ich habe mich entsprechend auch zunächst in Richtung Astrophysik spezialisiert. Je mehr mir allerdings klar wurde, dass dieser Zweig der Physik wenig Platz für handfeste Experimente und direkt ableitbare Ergebnisse hat, um so stärker wandte ich mich angewandteren Gebieten zu, insbesondere dem zweiten Gebiet, das mich faszinierte: die Optik. Schließlich wurde Laserphysik meine Spezialisierung. Und mit Lasern und Optik habe ich auch bis heute noch zu tun.

Hatten Sie vor oder während des Studiums bereits praktische Erfahrungen in Form von Nebenjobs, Ferienjobs, Teilnahme am Girls’ Day – Mädchen-Zukunftstag, Praktika, Werkstudentinnentätigkeiten?

Kurz vor dem Abschluss des Vordiploms arbeitete ich einmal als Werkstudentin bei der AEG in Hamburg/Wedel. Es waren drei interessante Wochen in einem Kalibrierlabor, und das erste Mal, dass ich 'allein unter Männern' arbeitete. Es hat sehr viel Spaß gemacht, alle waren sehr positiv und hilfsbereit. Ich habe dabei einiges gelernt, wovon ich heute noch in meinem Beruf profitiere.

Welchen Rat würden Sie einer Schülerin mit auf den Weg geben, die überlegt, ob sie in einem MINT-Fach studieren soll?

Nicht auf das hören, was andere einem sagen, sondern auf den eigenen Bauch. Einer Faszination für ein Thema soll man folgen, egal was andere dazu denken oder was ihre Erfahrungen damit sind – niemand anderer kann wissen, was auf einen selbst dort wartet.

In Ihrer Freizeit beschäftigen Sie sich am liebsten...

mit meiner Familie. Ansonsten Schreiben, Lesen, Fantasy-Rollenspiele (Tisch, live, online), orientalischer Tanz ... und worauf ich sonst gerade Lust habe.

Wo arbeiten Sie?

Ich arbeite bei der Firma Heidelberg Instruments Mikrotechnologie. Obwohl weltweiter Marktführer in Großflächen-Mikrolithographiemaschinen sind wir doch noch immer ein überschaubares mittelständisches Unternehmen, in dem noch jeder jeden kennt.

In welcher Position arbeiten Sie?

Ich bin Leiterin der Technischen Redaktion und betreue zudem unsere Service-Büros in China, Japan, Korea, Taiwan und den USA.

An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit und wie dürfen wir uns dieses Arbeitsgebiet vorstellen?

In der Technischen Redaktion arbeite ich gerade unsere neue Benutzeroberfläche in die Kundendokumentation ein. Im weltweiten Service muss ich zur Zeit nur die fristgerechte Fertigstellung und Auslieferung der bestellten Ersatzteile überwachen, da es dieser Tage recht ruhig ist. Das kann sich aber schlagartig ändern.
Allgemein verfolge ich die Neuentwicklungen, die Eingang in unsere Serienproduktion finden, um unseren Ingenieuren die benötigten technischen Daten und Anleitungen dafür zur Verfügung zu stellen. Außerdem sorge ich dafür, dass sie Antworten erhalten, wenn sie an unseren Maschinen auf Probleme stoßen, für die ihr Wissen nicht ausreicht. Ebenso arbeite ich Neuerungen, die sich auf die Bedienung der Maschinen auswirken, in die Kunden-Handbücher ein und erstelle neue Handbücher, wenn neue Maschinentypen in die Produktion gehen.
Zusätzlich habe ich noch die Verantwortung als Laserschutzbeauftragte in unserer Firma übernommen. In dieser Eigenschaft stufe ich auch unsere Maschinen in die jeweiligen Schutzklassen ein, mache die Belehrungen für die Mitarbeiter und überwache die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?

Einen typischen Arbeitsalltag gibt es für mich eigentlich nicht. Das hält die Arbeit spannend und abwechslungsreich. Die erste Aufgabe am Morgen ist stets, zu sehen, welche Meldungen von außen hereingekommen sind, und diese zu bearbeiten. Das geschieht oft, indem ich den Kollegen Anleitungen zuschicke oder Empfehlungen aus meiner Erfahrung gebe. Kann ich selbst aber die Fragen nicht beantworten, gehe ich damit zu den Spezialisten, die es können, und hole mir die Antworten persönlich ab, damit keine Zeit verloren geht – Zeit ist gerade bei unseren Produktionskunden in Asien eine Menge Geld. Diese Antworten formuliere ich anschließend möglichst leicht verständlich auf englisch und ergänze sie gegebenenfalls noch mit weiteren Informationen (Fotos, Skizzen ...), damit das Problem vor Ort schnellstmöglich gelöst werden kann.
Sind diese Aufgaben so weit gelöst, wie es unmittelbar möglich ist, verbringe ich den Rest der Zeit mit der Weiterarbeit an den jeweils aktuellen Dokumentationsaufgaben – Handbücher, Arbeitsanweisungen, Rundmails und vieles weiteres – oder mache einen Rundgang durch die Produktion, um mich bezüglich der aktuellen internen Bestellungen mit den Abteilungen abzusprechen und nebenbei die Einhaltung der Laserschutzbestimmungen zu überprüfen.

Ist es für eine Frau schwieriger, in einem eher männerdominierten Berufsfeld zu arbeiten? Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht?

Meine Erfahrungen diesbezüglich sind durchweg positiv. Ich wurde stets ohne Vorbehalte aufgenommen und war schnell und mit völliger Selbstverständlichkeit Teil der Gruppe. Das Geschlecht war einfach nie ein Thema. Leistung und Zusammenarbeit war stets was zählte. Eher hatte ich manchmal das Gefühl, dass die Tatsache, dass ich so etwas wie ein 'bunter Hund' bin, mir schneller Aufmerksamkeit verschafft und zum Vorteil gereicht.
Lediglich im Zusammenhang mit meiner Schwangerschaft könnte man sagen, dass das Geschlecht ein auch negativ belastetes Thema wurde, da der Arbeitsausfall bei der Geschäftsführung natürlich nicht gerade Freude ausgelöst hat. Allerdings gibt es bei längeren Krankheitsausfällen dieselbe Reaktion, und ebenso, wenn meine männlichen Kollegen nun ihren Erziehungsurlaub anmelden. Ich denke, nachdem diese Regelung die Unterschiede zwischen Mann und Frau im Arbeitsleben weiter geglättet hat und sie auch mehr und mehr genutzt wird, ist auch das ein Thema, das an Bedeutung verlieren wird. Ich sehe da sehr optimistisch in die Zukunft.

Welche besonderen Vorkenntnisse, Fähigkeiten und Interessen braucht man für dieses Berufsprofil?

Gutes technisches Verständnis, um die Zusammenhänge zu erfassen und verständlich weitergeben zu können. Man muss sprachlich sattelfest sein, im Deutschen wie im Englischen. Und man muss kommunikativ sein, um die Informationen, die man benötigt, auch zu erhalten. Zudem ist im Service-Bereich Flexibilität erforderlich – wenn es im Ausland gerade brennt, muss man eben auch mal länger bleiben oder früher mit der Arbeit beginnen (je nach dem, in welcher Zeitzone die Probleme liegen).

Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit am meisten?

Dass keine zwei Tage gleich sind. Unsere Maschinen werden stetig weiter entwickelt, und ich sitze in einem Knotenpunkt, durch den jede Neuerung laufen muss. Ich lerne ständig dazu, erfahre Neues und knüpfe neue Kontakte. Die Fäden meiner Tätigkeit spannen sich vom internen Bereich, dem Ursprung von allem in der Entwicklung, über Produktion und Verwaltung bis hinaus zu den ausländischen Kollegen und ihren Kunden. Ich muss nicht nur versiert mit der Technik umgehen können, sondern auch mit den Menschen, mit denen ich zu tun habe. Bei allem bin ich hautnah dabei und kann all meine Fertigkeiten zum Tragen bringen.

Sind Sie in Projekten/Maßnahmen aktiv, die es sich zum Ziel gesetzt haben, junge Menschen für MINT zu begeistern? Wenn ja, wie versuchen Sie, dieses Ziel umzusetzen?

Ich bin vor kurzem beim MINT RoleModel Projekt mit eingestiegen. Dieses Interview ist – abgesehen davon, dass ich in meinem Bekanntenkreis Werbung für das Projekt gemacht habe –, meine erste aktive Beteiligung. Ich hoffe jedoch, auch bei weiteren Aktionen unterstützen zu können.

Wie schaffen Sie es, Beruf und Familie zu vereinbaren?

Ich habe das Glück, dass mein Mann sich für die Rolle des Hausmanns und Vaters bereit gefunden hat. In meiner Freizeit schaffe ich so viele Freiräume wie möglich für meine Familie, was mir nicht immer so gut gelingt, wie ich es gerne hätte, jedoch mit steigender Erfahrung im Zeitmanagement immer besser wird. Die Probleme liegen jedoch mehr an meiner nebenberuflichen Tätigkeit als Schriftstellerin als an meinem Hauptberuf.

Welche beruflichen Ziele haben Sie persönlich für Ihre eigene Karriere?

Mir ist allem wichtig, dass meine Arbeit mich fasziniert und erfüllt, dass sie mir in meinen Interessen entspricht und mir genug Freiräume lässt, um auch andere Seiten meiner Persönlichkeit ausleben zu können. Das hat mir immer mehr bedeutet als eine Karriere, und dieses Ziel habe ich bereits erreicht. Mein Bestreben ist jetzt, die Arbeitsabläufe meiner Tätigkeit im Laufe der Zeit immer mehr zu optimieren, um immer zeitnaher Probleme lösen zu können, damit ich entspannt in meine Freizeit gehen kann.

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