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Naturwissenschaften

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Interview von Gisela

Gisela Boeck stammt aus einer Familie von Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftlern. Sie selbst hat sich dem Fach Chemie verschrieben und ist heute wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Chemie an der Universität Rostock.

Studienwahl

Gisela Boeck ist promovierte, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Organische Chemie des Instituts für Chemie an der Universität Rostock. Zu ihren wichtigsten Aufgabenfeldern gehören die Lehrveranstaltungen zu den Grundlagen der Chemie für die Studierenden der Humanmedizin, der Zahnheilkunde, der Medizinischen Biotechnologie, der Biomedizintechnik und des Maschinenbaus sowie Vorlesungen und Seminare zur Geschichte der Chemie.
Bereits in der Schule gehörte Gisela Boeck zu den sehr guten Schülerinnen. Von der dritten Klasse an besuchte sie eine Schule für begabte Kinder, in der  verstärkt Russisch unterrichtet wurde. An dieser Schule bestand sie ihr Abitur.
Das Studium der Chemie absolvierte Gisela Boeck in Rostock. Zur Promotion ging sie jedoch nach Leipzig, da infolge der Hochschulreform Ende der 1960er Jahre in Rostock nur eine Qualifikation in Synthesechemie angeboten wurde.
Ursprünglich wollte Gisela Boeck Russischlehrerin werden, doch wegen damals wenig belastbarer Stimmbänder ließ sie den Gedanke fallen und orientierte sich in Richtung Naturwissenschaften, so wie ihre Eltern und auch ihr Bruder, der, wie sein Vater, eine Karriere als Professor für Mathematik einschlug. Physik war ihr zu trocken und gegen die Mathematik hätte die Dominanz des eigenen Bruders gesprochen: „Gegen den kam ich nicht  an, der war so viel besser.“ Chemie machte Gisela Boeck schon immer Spaß, im Anfangsunterricht hatte sie gute Lehrer/innen an der Schule. Nur die Lehrerin in der Oberstufe hatte einige Probleme, um z. B. die Quantenchemie zu vermitteln. „Das habe ich dann quasi unterrichtet. Das hat mir total viel Spaß gemacht und hat auch dazu beigetragen, dass ich Chemie studiert habe.“

Da die Eltern selbst den Naturwissenschaften nahe standen, haben sie ihre Tochter voll und ganz unterstützt. Dass sie als Frau ein MINT-Fach studierte, fand und findet Gisela Boeck keineswegs ungewöhnlich. In der DDR habe es ohnehin eine andere Arbeitskultur gegeben, da viel mehr Frauen arbeiten gingen. Auch an MINT-Wettbewerben hat sie teilgenommen, so an den Mathematikolympiaden in der Schulzeit oder an einem landesweiten Ausscheid zwischen Chemie-Doktorand/innen, bei dem sie den dritten Platz belegte. Bei der Landes-Russischolympiade holte sie die Bronzemedaille.

Das Studium fiel Gisela Boeck nicht schwer, alle theoretischen Bereiche seien ihr ausgesprochen leicht gefallen. Wegen ihrer sehr guten Leistungen erhielt sie ein Leistungsstipendium. Nur bei den präparativen Arbeiten im Labor habe es gehapert: „Das war auch der Grund dafür, dass ich mich nach dem Studium in der theoretischen Chemie spezialisiert habe.“ Zwar hatte sie kurzzeitig überlegt, in die Wirtschaft zu gehen. Doch bevor der  Pharmabetrieb, der in Neubrandenburg geplant war, überhaupt in Betrieb genommen wurde, hatte sie sich bereits für den Promotionsstudiengang entschieden. Gisela Boeck rät allen Studierenden der Chemie zu promovieren. Die späteren Einsatzbereiche seien vielfältig und abwechslungsreich, eine Promotion biete die besten Voraussetzungen und eine bessere Ausgangsposition.

Karriere

Gisela Boeck hat es geschafft, Familie und universitäre Karriere unter einen Hut zu bringen. Um diese beiden Lebensfelder maximal gut vereinbaren zu können, müsse man aber auch kompromissbereit sein. Sie habe sie auf eine Position  verzichtet, die der universitären Laufbahn eher förderlich gewesen, aber schließlich keine gesicherte Perspektive geliefert hätte. Das war für die Familie wichtig.

„Ich bin nach Rostock zurückgegangen und habe dort die Stelle der wissenschaftlichen Sekretärin angenommen, das ist die rechte Hand des Institutsdirektors. Eigentlich hatte ich noch die Hoffnung, dass ich parallel dazu meine Habilitation schaffe. Es hat sich aber erwiesen, dass das nicht funktioniert. Mit drei kleinen Kindern, die umfassenden Aufgaben in der Verwaltung, Qualifikationen in Englisch und Hochschuldidaktik und der Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe – das ging nicht gleichzeitig.“

Die Aufgaben als wissenschaftliche Sekretärin – dann hieß es Fachbereichsreferentin – setzte sie auch nach 1990 fort. Zunehmend übernahm sie Verantwortung in der Lehre, heute ist sie für zwei Gebiete allein verantwortlich. Besonders die Medizinerausbildung ist ihr ans Herz gewachsen, für die sie schon mit dem Preis für gute Lehre ausgezeichnet wurde. „Es ist ein sehr schönes Gefühl, wenn die Studierenden im Anschluss zu mir kommen und sagen, jetzt hätten sie die Chemie endlich mal verstanden.“ Sie hat Lehrbücher verfasst und arbeitet in bundesweiten Gremien zur Medizinerausbildung mit. Und die Geschichte der Chemie hat Gisela Boeck inzwischen mit Arbeiten zur Universitätsgeschichte verbunden. Sie leitet mehrere Arbeitsgruppen, die sich mit dieser Problematik beschäftigen.

Persönliches Statement

Gisela Boeck rät allen, die sich mit dem Gedanken tragen, Chemie zu studieren, schon vorher ein Praktikum in einem chemischen Institut oder einem chemischen Betrieb zu machen oder einfach mal in den Unibetrieb hinein zu schnuppern. Dazu gibt es bei Hochschulinformationstagen oder im Rahmen des Juniorstudiums immer Möglichkeiten. Sie meint, dass es sehr wichtig sei, in sich hineinzuhorchen, ob die Chemie wirklich das Richtige ist – denn ein Chemiestudium ist anstrengend: „Dann würde ich empfehlen, sich mit voller Kraft ins Studium zu stürzen, schnell Eigeninitiative zu ergreifen und nach Möglichkeiten zu suchen, wo man als studentische Hilfskraft arbeiten kann. Jegliche  Aktivität wird nachher belohnt. Initiative ist etwas ganz wichtiges. Dann läuft das auch.“

Gisela Boeck denkt darüber nach, ob man nun doch noch an der Habilitation arbeiten sollte: „Für die berufliche Karriere bringt sie nichts mehr. Aber es wäre einfach schön zu zeigen, dass auch dieser Schritt für mich machbar ist.“

Dieses Interview wurde geführt im Projekt "MINT-Weibsbilder", ein Teilprojekt des Verbundvorhabens „MINT Role Models – Ein integratives Konzept zur nachhaltigen Steigerung des Anteils von Frauen in MINT-Berufen″. Es wurde im Rahmen des Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen „Komm, mach MINT.″ aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

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