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Naturwissenschaften

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Interview von Bettina

Bettina Lotsch ist Professorin für Chemie an der Ludwigs-Maximilians-Universität München und leitet eine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut (MPI) für Festkörperforschung in Stuttgart.

Studienwahl

Die gebürtige Pfälzerin hatte in der Oberstufe Chemie, Latein und Englisch als Leistungskurse. Für das Chemiestudium hat sie sich relativ spontan entschieden, eigentlich wollte sie sich für Philosophie einschreiben. Aber davon haben ihr studierte Philosophen abgeraten: „Machen Sie etwas Gescheites, wo Sie nachher auch einen Job kriegen.“ Eine Mischung aus Begeisterung an den Naturwissenschaften - der Chemie insbesondere – und Pragmatismus haben Sie geleitet, ein Chemiestudium aufzunehmen.

Das Studium war nicht immer ein Spaziergang - ein sehr lernintensives Fach mit vielen Stunden Laborarbeit: „Die viele Laborsteherei war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig – aber das gehörte einfach dazu.“ Ihr Fleiß und ihr Durchhaltevermögen wurden belohnt. Sowohl ihre Lehrer, als auch die Universitätsprofessoren haben ihr Potenzial früh erkannt. So kam es auch, dass sie für die Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen wurde und ein Stipendium bekam. Während ihres Studiums wohnte Bettina Lotsch im Maximilianeum in München als Stipendiatin der gleichnamigen bayerischen Begabtenstiftung. In den ersten Semestern hörte sie Vorlesungen zur allgemeinen anorganischen und organischen Chemie, sowie zur physikalischen Chemie. Im Hauptstudium wurden diese Bereiche nochmal vertieft und spezialisierter gelehrt sowie durch ihr Wahlfach Materialwissenschaften ergänzt.

Karriere 

Ihre Doktorarbeit hat Bettina Lotsch im Bereich der anorganischen Festkörperchemie geschrieben. Für ihre Post-Doc-Phase war sie Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung und zog für eineinhalb Jahre nach Toronto, Kanada. Danach wollte sie sich in Berlin habilitieren, doch da kam schon der Ruf aus München, dem sie schließlich folgte.
Wochenenden kennt sie schon lange nicht mehr, 60-80 Stunden Arbeit pro Woche sind normal: „Es gibt kaum noch Wochenenden. Man muss schon sagen, dass dieser Job, so schön er ist, auch einen Nachteil hat: die Arbeit hört niemals auf, auch nicht zu Hause.“
Ihre Forschungsgruppe umfasst mittlerweile mehr als 20 Mitarbeiter, davon sind rund 30% Frauen. Alle sind ihr gleich wichtig: Die Doktorandinnen/ Doktoranden, Post-Docs und die Festangestellten.
Die Lehre umfasst Vorlesungen, die Betreuung von Masterarbeiten und das Abnehmen von Prüfungen. Zudem ist sie Teil von Gremien, die die Selbstverwaltung des Fachbereiches bzw. Instituts mitgestalten: „Ich bin da auf keinem prominenten Posten, aber es gehört natürlich dazu, dass man als Kollegiums- bzw. Institutsmitglied die Prüfungsausschusssitzungen oder Kollegiumssitzungen mit gestaltet.“

Ihr Lebenslauf klingt nach einem Traum und dennoch steckt viel Arbeit und Durchhaltevermögen in diesem Werdegang: Der Anfang ihrer Professur in München war nicht immer leicht: „Die ersten eineinhalb Jahre waren mühsam, weil viel Zeit in den Aufbau der Arbeitsgruppe floss. Man kommt aus dem Post-Doc, hat immer alles selbst gemacht und selbst geforscht. Dann merkt man plötzlich, dass sich die Schwerpunkte verschieben - man muss Vorlesungen und Vorträge halten, in Meetings gehen und eine Gruppe leiten. Man hat kaum noch Möglichkeiten selbst im Labor zu arbeiten. Andererseits ist man aber ständig unter Zugzwang, weil man publizieren muss. Man muss liefern!“ Seitdem die Gruppe läuft, kann Bettina Lotsch wieder verstärkt ihrer Lieblingsaufgabe, dem Forschen, nachgehen: „Was mich fasziniert an meinem Job ist, dass man sehr große Freiheit hat: Man interessiert sich für bestimmte Gebiete und Aspekte der Chemie und man kann wirklich seine ganze Energie darauf verwenden, diese Themen zu erforschen.“ Das Erforschen und „Entdecken“ mache den Job auch so attraktiv und besonders: „Inzwischen läuft der Laden, ich habe Leute, die engagiert sind und wir können an Themen arbeiten, die wir spannend finden und die hoffentlich auch die Gesellschaft spannend findet. Man kann sich in großer Selbständigkeit für Dinge engagieren, die mitunter auch einen nachhaltigen Einfluss auf unsere Gesellschaft und Zukunft haben.“

Wissenschaftliche Karriere und Familie zu vereinbaren sei nicht leicht, aber möglich: Die Familiengründungsphase falle genau in die Zeit, wo man sich beweisen müsse: „Man muss publizieren, man muss hart arbeiten. Es ist sicher möglich, aber es ist schwer.“
Der Druck ist enorm. Eine Auszeit aus familiären Gründen zu nehmen bedeute zwar nicht das Aus, aber eine immense Doppelbelastung: “Man kann das nicht entkoppeln in unserem Beruf, weil die Wissenschaft nicht auf einen wartet und man automatisch mit anderen verglichen wird, die durchgehend publiziert haben. Es ist immer auch ein Wettbewerb.“
Unterm Strich zähle die Leistung, ob mit oder ohne Kind: „ Ich denke, dies ist in manch anderem Beruf einfacher... Das einzige, was hilft ist, dass man die Infrastruktur schafft für Frauen, damit sie beides – Beruf und Familie – wenn nicht perfekt, dann doch zumindest maximal gut vereinbaren können.“
Für sie persönlich ist alles perfekt gelaufen: “Ich hatte super Bedingungen und alles hat toll geklappt - ich hatte gute Unterstützung und würde das auch nochmal so machen, weil mir mein Beruf sehr gut gefällt.“

Persönliches Statement

Junge Frauen möchte sie ermutigen, den Weg zu gehen, den sie gehen möchten: „Frauen unterschätzen sich oft und nehmen sich oft zurück. Und das sollte nicht sein. Sie sollten es ablegen, unsicher und übermäßig selbstkritisch zu sein.“
Studentinnen rät sie, sich rechtzeitig um Stipendien zu kümmern. Zum einen ergäben Stipendien ein gutes Bild im Lebenslauf, mehr Unabhängigkeit und gelegentlich auch gute Kontakte, beispielsweise zu anderen Stipendiaten in ähnlichen Lebens- und Arbeitskonstellationen.
Und eines ist ihr noch wichtig: „Auch wenn die Zeit in einer bestimmten Lebensphase nicht reif scheint oder es scheinbar nicht passt, eine Familie zu gründen, weil man die Karriere weiter verfolgen möchte - vielleicht sollte man es doch tun.“

Dieses Interview wurde geführt im Projekt "MINT-Weibsbilder", ein Teilprojekt des Verbundvorhabens „MINT Role Models – Ein integratives Konzept zur nachhaltigen Steigerung des Anteils von Frauen in MINT-Berufen″. Es wurde im Rahmen des Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen „Komm, mach MINT.″ aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

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