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Naturwissenschaften

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Interview von Anna B.

Anna ist 22 Jahre alt und schreibt gerade an ihrer Bachelorarbeit in Physik. An der Physik reizen sie vor allem die vielfältigen Arbeitsmöglichkeiten. In ihrer Freizeit spielt sie Klarinette und Fußball.

Was und an welcher Hochschule studierst du?

Physik (1-Fach Bachelor) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Ich schreibe derzeit meine Bachelorarbeit.

Was hat dich dazu bewogen, dieses Studium zu realisieren? Hast du erst eine andere Richtung eingeschlagen?

Nein, eine andere Richtung habe ich nie eingeschlagen. Schon seit Ende der Mittelstufe kam für mich Physik als Studienfach in die engere Auswahl. Aber ich war schon immer auch an anderen Naturwissenschaften interessiert. Ich schätze sehr die Öffnung der Physik hin zur Biologie, Medizin oder Chemie, wenngleich dies nicht ganz einfach als Studiengang zu realisieren ist. Am Physikstudium ist das Tolle, dass man nicht mit dem Beginn des Studiums festgelegt ist, wo es einmal hingehen soll. Als Physikerin hat man nach der Ausbildung sehr vielfältige Arbeitsmöglichkeiten und auch schon innerhalb des Studiums lassen sich unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Konkret war es damals für mich in der Schule ausschlaggebend, dass der Physikunterricht nicht das einzige war, was ich von der Physik mitbekommen habe. Physik ist viel mehr als der staubtrockene Kreideunterricht!! Physik kann man nicht nur an die Tafel schreiben, man muss es erleben! So habe ich in der Mittelstufe damit angefangen an Physikwettbewerben teilzunehmen, habe Forschungszentren besucht, Angebote für Schüler an der Universität wahrgenommen und an Projekten in der Physik AG teilgenommen. Das war es, was mich für die Physik begeistern konnte! Und das ist auch heute noch so. Die Theorievorlesungen und das Bearbeiten von Übungsaufgaben im Studium kann schon mal ganz schön zäh sein, die Motivation weiter zu machen bekomme ich, wenn ich in die Labore und Forschungszentren gehe und sehe, wie aktuelle Spitzenforschung aussieht.

Hattest du vor oder während des Studiums bereits praktische Erfahrungen in Form von Nebenjobs, Ferienjobs, Teilnahme am Girls’ Day – Mädchen-Zukunftstag, Praktika, Werkstudentinnentätigkeiten?

Wie gesagt, habe ich schon während meiner Schulzeit die Möglichkeit genutzt Forschungszentren zu besuchen und an Angeboten der Universität teilzunehmen (Herbstakademie der Universität Münster). Die Teilnahme an Physik-Wettbewerben hat mir erheblichen Aufwind gegeben. An Praktika und Girl’s Days habe ich auch teilgenommen. Hier habe ich mir aber gezielt andere Bereiche ausgewählt um hinterher noch sicherer zu sein, dass Physik für mich das Richtige ist. Während meines 3. und 4. Semesters habe ich noch eine studentische Hilfskraftstelle im Institut für Kern- und Teilchenphysik angenommen.

Bist du in bestimmte Netzwerke oder Hochschulprogramme involviert, die du unterstützt hast?

Schon von meinem ersten Semester an bin ich in der jungen Deutschen Physikalischen Gesellschaft (jDPG) aktiv. Das Programm hat mich fasziniert, da es Angebote außerhalb der Hörsaal-Uni schafft und das finde ich absolut wichtig! Zunächst habe ich mein Engagement in der Regionalgruppe Münster begonnen und vor Ort Angebote wie „Meet your Prof“ initiiert, bei denen man bei einem gemütlichen Abend Fragen an einen Professor loswerden kann. Weiter habe ich mich dann für die bundesweiten Aktivitäten der jDPG eingesetzt und z.B. Exkursionen, die jedem Interessierten offen stehen, zu Forschungszentren wie das DESY in Hamburg, das DLR in Köln oder das CERN in Genf organisiert. Im Mai 2010 habe ich dann das wissenschaftliche Programm der jDPG als Leiterin übernommen und bin stellvertretende Bundessprecherin geworden. Ein Jahr später wurde ich im Juli 2011 zur Bundessprecherin der jungen DPG gewählt. Dieses deutschlandweite Netzwerk aus jungen Physikern bietet den Rahmen für Kontakte zu anderen Physikstudenten in ganz Deutschland (und darüber hinaus), zu etablierten Physikerinnen und Physikern und schafft ein spannendes Seminar-, Workshop- und Exkursionsprogramm für angehende Wissenschaftler.

Hast du ein Auslandsstudium absolviert? Welche Erfahrungen hast du dabei gemacht?

Während meines Studiums war ich zweimal Sommerstudent im Ausland. Ich war für zwei Monate in Kanada und habe dort am Untergrundlabor „SNOLAB“ zwei Monate lang an einem Projekt gearbeitet und habe mitbekommen, wie aktuelle Forschung auf dem Gebiet der Suche nach dunkler Materie aussieht. Das war für mich hautnahes Miterleben von aktueller Spitzenforschung auf einem ganz spannenden Gebiet der Physik. Mein zweiter Auslandsaufenthalt führte mich als Sommerstudent ans CERN nach Genf. Die internationale Forschungswelt am CERN zu erleben ist eine unglaubliche Bereicherung gewesen. Kontakte zu Wissenschaftlern aus der ganzen Welt – auch das ist Physik!

Welchen Rat würdest du einer Schülerin mit auf den Weg geben, die überlegt, ob sie in einem MINT-Fach studieren soll?

Nicht überlegen – machen!! Der erste Schritt ist nicht ganz einfach. Eltern, die mehrfach nachfragen, ob man sich das auch wirklich gut überlegt hat und Mitschülerinnen, die einen komisch angucken und für ein bisschen von der Rolle halten. Schon allein die Wahl eines Physik-Leistungskurses weckt Argwohn, aber auch Bewunderung! Den Mut haben etwas anders zu machen als die meisten anderen und dazu stehen! Ein MINT-Fach ist wichtig und richtig! Hier liegt die Zukunft, hier werdet IHR gebraucht!

Was muss sich deiner Meinung nach ändern, damit mehr Frauen mathematisch-technische Berufe wählen?

Die Förderung in den Schulen ist ein ganz zentraler Punkt. Den Mädchen muss das Selbstvertrauen gegeben werden, dass sie das mindestens genauso gut können und sich hier nicht von den Jungs das Ruder aus der Hand nehmen lassen, wenn z.B. im Klassenzimmer experimentiert wird. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg, dass das mathematisch/naturwissenschaftlich/technische Berufsbild nicht nur den Anschein hat von Männern geprägt zu sein. Es ist das Normalste und Natürlichste der Welt, dass Frauen hier gleichermaßen tätig sein können! Dieses Bild gilt es zu vermitteln und nachfolgenden Generationen vorzuleben.

Welche beruflichen Ziele hast du persönlich für deine Zukunft?

Da es in der Physik so viele Möglichkeiten und Wege gibt, kann ich mich da zurzeit gar nicht konkret festlegen. Das ist es ja gerade, was mich auch an der Physik so fasziniert. Ein Weg in die Wissenschaft, in Anwendung oder Theorie ist genauso möglich wie das Arbeiten in einem Unternehmen.

In meiner Freizeit spiele ich...

Fußball und Klarinette.

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